Obersteiger Nickel

Ein Bergmann der Grube Gonderbach

Auf der Photographie ist der Obersteiger Nickel in bergmännischer Paradeuniform zu sehen, mit einem Federbusch an der Kappe und einem Säbel zum Zeichen, daß Bergleute auch als Pioniere eingesetzt werden konnten. In der Zeit, als die Aufnahme entstand, hatte man auf der Grube Gonderbach manche Hoffnung auf gute Ausbeute. 1861 hatte man in einem Querschlag der Grube einen kleinen Gang von Rotgültigerz angefahren, ein Erz, das etwa 52% Silber enthält. Man schätzte den Reinerlös von einem Zentner dieses Erzes auf 1500 Taler — eine beachtliche Summe! Wenn der Gang eine größere Ausdehnung hatte, dann konnte die Grube beachtliche Erträge erwirtschaften.


1862 besaß die Gonderbach eine Belegschaft von 38 Mann:

1 Steiger
22 Bergleute
15 Aufbereitungsarbeiter

Die Förderung betrug in den Jahren 1859 — 1861 insgesamt nur 4653 Ztr. Blei-, Fahl- und (wenig) Kupfererz, allerdings Bleierz von sehr guter Qualität. ie Leitung des Grubenbetriebes lag also in den Händen eines Steigers, eben des August Nickel. Kurz nach Entdeckung des Silbererzes hatte er am 21. Juli 1861 einen Dienstvertrag mit der Rcntkammer abgeschlossen, war aber schon vorher sieben Jahre auf der Grube Gonderbach tätig. Nach diesem Dienstvertrag war August Nikkel für den gesamten Grubenbetrieb verantwortlich. Er sollte nach bestem Wissen und Gewissen tätig sein, so erklärt der § 2 des Vertrages. Verantwortlich war er gegenüber der Bergbehörde, die alle Grubenbaue überwachte. Kommissar für Wittgenstein war der Müssener Berggeschworene Schmidt, der auch den Rotgültigfund begutachtete. Letzte Entscheidungen lagen beim Oberbergamt Bonn.

Verantwortlich war Nickel aber insbesondere für den gesamten Grubenbetrieb, was z. B. auch den Verkauf der geförderten Erze einschloss. Er stellte die Bergleute ein, er konnte Entlassungen vornehmen, er bestimmte die Löhnung, bzw. handelte sie aus. Ganz besonders wurde ihm die Erhaltung der Markscheiderstufen und Grubenrisse ans Herz gelegt. § 3 des Vertrages bestimmte die Entlohnung. Als Arbeitszeit wurde eine 12-stündige Schicht zugrundegelegt, für die 12 Silbergroschen gezahlt wurden. Dabei gab es keinen Unterschied zwischen Tag- oder Nachtschicht. Sollte im Gedinge gearbeitet werden, so war ein besonderer Satz zu vereinbaren oder der Schichtlohn um 2 Sgr. zu erhöhen. Der Vertrag konnte mit einer Frist von 8 Wochen gekündigt werden. In der selben Zeit als Nickel diesen Vertrag abschloss, richtete er ein Gesuch an Fürst Alexander mit der Bitte, sich mit Catharine Schmidt aus Straßebersbach verheiraten zu dürfen. August Nickel stammte übrigens aus Frohnhausen.

Der Fürst wollte ihm den Heiratskonsens erteilen, sich aber zugleich rechtlich absichern, falls es zu einer
Stillegung der Grube oder einem Betriebsunfall kommen sollte. Wie stand es dann mit den Unterhaltszahlungen? Nickel weist daraufhin m einem Schreiben nach, dass er als Mitglied des Knappschaftsvereins bei Dienstunfähigkeit Anspruch auf Invalidenunterstützung, seine Frau auf Witwenunterstützung und seine Kinder bis zum 14. Lebensjahr auf Erziehungsgeld hätten. Außerdem sei in seinem und seiner Frau Heimatort Grundvermögen vorhanden. Fürst Alexander erteilte auf Grund dieser Nachweise die „Erlaubnis" zur Heirat, wies aber darauf hin, dass ihm damit keine Verpflichtungen bei einer etwaigen Dienstunfähigkeit Nickels entstehen sollten.

Die Familie Nickel wohnte im Zechenhaus auf der Grube Gonderbach. In den folgenden Jahren dehnte sich der Grubenbetrieb erheblich aus. Nickel scheint ein zuverlässiger Betriebsleiter gewesen zu sein, denn er erhält mehrfach von Seiten des Fürsten Gratifikationen. Immerhin betrug die Förderung m der Zeit von 1859 bis 1868 35 968 Ztr. Erze im Wert von 127 790 Talern. 1864 begann man mit dem Abteufen des 42 m tiefen Alexanderschachtes, durch den mittels einer Dampfmaschine Förderung und Wasserhaltung betrieben wurden. So bestimmte Fürst Alexander 1865, dass August Nickel nunmehr als Obersteiger tätig sein sollte und der Bergmann Wilhelm Nickel auf Friedrichshoffnung (Gonderbach) und Heinrich Dietrich von Hesselbach auf Alexanderhoffnung als Steiger Dienst tun sollten.

Die vorn Oberbergamt genehmigte Instruktion legte fest, dass der Obersteiger als technischer Grubenbeamter und Förderungsaufseher einen Teil der Verwaltungsarbeiten, vor allem das Verwiegen der Erze und ihre Übergabe an die Käufer überwachen sollte. Durch ihn sollten alle Materialien, die dringend gebraucht wurden, vor allem Pulver und Öl für die Lampen, besorgt werden. Die Pflichten aus seinem Dienstvertrag als Steiger blieben bestehen. Besonders wird ihm eine sorgfältige Überwachung und Kontrolle des gesamten „Gruben-Vermögens", also aller Einrichtungen, Maschinen usw. angetragen. Größte Genauigkeit gilt es beim Erzverkauf einzuhalten. Dazu ist jedes Mal ein Protokoll anzufertigen und der Rentkammer einzureichen. Ihm zur Seite stehen in allen geschäftlichen Dingen ein Grubenverwalter und Rechnungsführer. Die beiden Steiger haben sich nach den Anweisungen des Obersteigers zu richten.

Vor allem soll ein Beamter stets in der Grube, der andere bei der Erzscheidung Aufsicht führen. Immer wieder wird in der Instruktion betont, dass der Vorteil des Grubenbesitzers oberste Richtschnur sein muss. Als monatliches Gehalt werden 25 Taler angesetzt, dazu freie Wohnung, Brandholz und Öl zur Beleuchtung. Am 18. Mai 1865 wird August Nickel auf diese Instruktion vereidigt. Er tritt jetzt im Knappschaftsverein in eine tiefere Klasse zurück, da ihm auch im Krankheitsfall sein Gehalt gezahlt wird.

Diese folgenden Jahre waren für A. Nickel sicher die arbeitsreichsten. Bis 1868 wuchs die Belegschaft der Grube auf 78 Mann an, neben den Steigern waren 60 Mann im Untertagebetrieb und 15 Mann in der Aufbereitung tätig. Danach verkümmerte der Betrieb, und von 1873 bis 1877 fand kein Abbau statt. Schließlich waren neben Nickel nur noch 4 Mann mit Untersuchungsarbeiten beschäftigt.
1874 hatte Obersteiger Nickel eine Lungenentzündung. Vielleicht hat er sich m der Nässe in der Grube, deren Wasserhaltung nicht vollständig gelöst war, die Krankheit zugezogen. Nicht selten, so kann man Eingaben entnehmen, kamen die Bergleute vor allem bei Arbeiten im Schacht durchnässt zurück. Trotz zweier Kuren scheint sich August Nickel nicht erholt zu haben. Er starb 1877.

Von Eberhard Bauer und Werner Otto

Quellen:

WA. : Akten K 362, K 368
Ihne in: Wittg. Bd. 36/1972/H.l/S. 13-17
Kraus, W. in: Wittg. Bd.48/1984/H.l/bes. S. 20 und 21
Schroetter, W. v.: Statistische Beschreibung des Kreises Wittgenstein, Blbg. 1875, S. 76


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