Chronik

Jahr   
802   Erste Erwähnung von Bleigruben bei Hesselbach in einer Schenkungsurkunde 
1357  Erwähnung von Bleibergwerken bei Hesselbach und Banfe in alten Urkunden. 
1557  Es erscheint das Hauptwerk von Georgius Agricola "Vom Bergkwerck XII Bücher". Es handelte sich um die erste systematische technologische Untersuchung des Bergbau- und Hüttenwesen und blieb zwei Jahrhunderte lang das maßgebliche Werk zu diesem Thema.  
1619  Zum ersten Mal wird die Grube namentlich erwähnt: „Heinrich Wolfers und Genossen legen Mutung auf der Grube bei Graf Ludwig von Wittgenstein ein.“  
1650  Einführung der Sprengtechnik im Bergbau. Verwendet wird Schwarzpulver 
1689  Es beginnt eine Blütezeit für die Grube. „Graf Gustav von Sayn-Wittgenstein-Hohenstein hatte einen tüchtigen Steiger namens Jakob Lübeck angestellt und ließ erfahrene Bergleute aus anderen deutschen Gegenden kommen. So stammen die Familien Amos, Nostiz, Bosch, Schuppener, Schuppert aus Sachsen und Mähren; Hippenstiel, Sommer und Löhr aus Waldeck und Kurhessen; ferner Haßler, Soeder, Sinner, Goebel, Kinkel, Graf, Dickel und viele andere aus dem Süden, Westen und Osten Deutschlands." 
1733  Ein Siegener Rutengänger stellt in der südlichen Grafschaft 24 Kupfer-und Bleigänge fest. (Das "Rutengehen" mitttels "Wünschelrute" ist eine umstrittene Methode zum Auffinden von Erzgängen. Agricola schrieb 1530 in seinem Montanhandbuch "Bermannus, Sive de re metallica" eine genaue Abhandlung darüber. Letzterer berichtet, daß bereits zu diesem Zeitpunkt die Methode sehr umstritten und keineswegs allgemein üblich war.)  
1800  "Bergfreiheit" im südlichen Wittgenstein. Das bedeutet, jeder konnte mit einem "Mutzettel" Bergbau betreiben. 
1820  Unter Leitung von Obersteiger Brombach (Müssen) wird der 36 m tiefe „Pariser Stollen" abgeteuft. Durch diesen Schacht wurde der Haupterzgang erschlossen. Zur gleichen Zeit wird der „Tiefe Stollen“ angelegt. Etwas später kommt der „Amalia Stollen“ hinzu. 
  Nach dem Vortrieb des "Tiefen Stollen" ruht der Betrieb mehrere Jahre 
1850  Wiederaufnahme des Betriebes.  
1854  Beginn des Tiefbaus 
1861   Obersteiger wird August Nickel 
  Die Blei-, Silber- und Kupfererzgrube „Mächtig“ an der Eichert wird geschlossen. 
1862  Die Belegschaft der Grube Gonderbach besteht aus 38 Mann. 
1863  Dieses Jahr dürfte wohl das beste gewesen sein. „Von Januar bis September wurden 3680 Zentner Erz gefördert." Es wird auf einer Länge von 500 m Rotgüldigerz mit ca. 60% Silber gefunden und auch gediegenes Silber in Haarform und Platten. Stets in Verbindung mit Bleierzen."  
  Die Bleierzgrube "Zuversicht“ am Ziegenrain wird geschlossen. 
1864  Man beginnt mit dem abteufen des 100 m tiefen "Alexanderschachtes". 
  Durch den Verkauf von Silbererz wird ein Gewinn von 27.000 Reichstalern gemacht. 
  Inbetriebnahme einer Dampfmaschine für Förderung und Wasserhaltung. 
1868  Die Belegschaft der Grube wächst auf 78 Mann an. 
1871  Die maschinelle Förderung im Tiefbau und die Wasserhaltung wird eingestellt, weil es an Steinkohle fehlt. Da Wittgenstein vom Verkehr weitgehend unerschlossen ist, ist es schwierig, Steinkohle in ausreichender Menge ran zu schaffen. 
  Die manuelle Förderung über Stollen auf der Talsohle geht aber weiter.  
  Die Grube Gonderbach hat bisher 38.000 Zentner Bleierz, 570 Zentner Rotgüldigerz und 31 Zentner gediegenes Silber geliefert, im Wert von über 450.000 Mark.  
1873  Bis 1877 fand kein Abbau statt. Nur Nickel und 4 Mann sind mit Untersuchungsarbeiten beschäftigt. 
1877  Obersteiger Nickel stirbt an einer Lungenentzündung 
1884  Die Kupfer- Bleigrube "Neue Mühlhelle“ in der Mühlhelle wird geschlossen. 
1891  Es wurden gefördert:
42 kg gediegenes Silber
42.500 kg Rotgültig-und Fahlerz
34.000 kg Glasurerz
2.011.000 kg Bleiglanz
56.600 kg Kupfer-und Bleihaltige Fahlerze
785 kg Kupfererz
Insgesamt ca. 2.145 t Erze.
Desweiteren wurden 406 wertvolle Rotgültig- Bleierzkristalle für Mineraliensammler gewonnen. 
1901  Obersteiger Dietrich sen. wird Betriebsleiter. 
1906  Das 5 m hohe hölzerne Wasserrad wird durch ein eisernes Wasserrad ersetzt. 
1907  Das Schachtgebäude des "Alexanderschachtes" wird abgebrochen, da sich die Gewinnerwartungen nicht erfüllten. 
1909  Der „Ludwigstollen“ an der Hesselbacher Mühle wird angelegt. 
  Der "Tiefe Stollen" wird für Lokförderung ausgebaut. 
  Der westliche Stollenfeldort wird wieder in Betrieb genommen. Im April wird ein derbes Bleierzmittel von 50 cm Mächtigkeit angehauen. 
  Die Grube Gonderbach umfaßte 11.475.220 qm mit den Feldern „Gonderbach“ und „Carl Alexander“. Die Gruben auf der Hesselbacher Gemarkung: „Alexanderhoffnung“ , „Morgenstern“ und „Berghäuschen“ werden mitverwaltet. 
1918  Kohlenmangel führt zur Stilllegung des "Ludwigstollen". Auch der Betrieb der Grube "Boxbach" wird damals eingestellt. 
1925  Von 1907 bis in die Mitte der 20er Jahre wurden ca. 2.319.000 kg Bleierze gefördert. 
1926  Obersteiger Dietrich (Sohn des vorherigen Obersteigers Dietrich sen.) verfasst den hier zitierten Bericht 
1931  Der Betrieb wird eingestellt. Mit zunehmender Tiefe wurden die Probleme der Entwässerung immer größer und kostenintensiver. Auch die Sicherung der Stollen wurde schwieriger, weil brüchiges Gestein sehr häufig ist. 
1936  Die "Otavi-Minengesellschaft" bemüht sich um die Wiederinbetriebnahme der Grube. (Diese Firma existiert übrigens noch heute und ist im Mineralienhandel (Perlite, Baustoffe) tätig. 
1938  Die Belegschaft zählt wieder 45 Mann. 
1939  Da bis Kriegsbeginn keine abbauwürdigen Erzvorkommen erschlossen wurden, wird der Betrieb endgültig eingestellt.  
  Die Stollen dienen heute der Trinkwassergewinnung und sind nicht mehr zugänglich. Alle oberirdischen Gebäude wurden abgrissen und eingeebnet. Das Steigerhaus wurde noch lange vom "Gonnerbicher Gerd" bewohnt und wurde als letztes Anfang der 70er Jahre abgerissen. 

Quellen:

Obersteiger Dietrich
"Beschreibung der Fürstlich-Wittgensteinschen Blei- und Silbergrube Gonderbach"
Bergamt Siegen, 1926

Pasdzierny, Fritz
Die Grube Gonderbach
WHB 38/S. 375 - 380, 1938

Horst Koch
Gonderbach
in "Der Anschnitt", 1969


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